Ausstellungen

22. August 2021

Gereon Krebber - Keramocringe Vernissage am Sonntag, 22.8.2021 um 12.00 Uhr – Um telefonische Anmeldung wird gebeten. Teilnahme nur nach der neuen "3G-Regel".

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ln der Ausstellung „Keramocringe“ im Skulpturenmuseum Glaskasten Marl zeigt Gereon Krebber keramische Arbeiten aus den letzten zwanzig Jahren. Begleitet werden die Keramiken von Arbeiten aus verbranntem Holz, die den Raum gliedern. Der Kölner Künstler war im vergangenen halben Jahr Stipendiat des Europäischen Keramischen Werkzentrums in den Niederlanden, wo mit dem Material Ton sonst kaum umsetzbare Plastiken möglich sind, was Größe und Glasuren betrifft. Diese neuen, fast ofenfrischen Arbeiten werden in Marl zusammen mit Keramiken präsentiert, die über zwanzig Jahre alt sind. Die Ausstellung bietet deswegen schon einen ersten retrospektiven Überblick über das Schaffen des an der Düsseldorfer Akademie lehrenden 48jährigen Künstlers.

Krebbers keramische Skulpturen sind bewegt, etwas Lebendiges scheint in ihnen zu stecken. Die Oberflächen schillern und die Körper beulen sich. Eine Gruppe von Plastiken ist einem klassischen Bienenkorb nachempfunden, der, aus biegsamen Weidenstecken und Stroh geformt, bereits plastische Qualitäten zeigt, denen kaum etwas hinzugefügt werden musste. Die umlaufende Wulst aus einem Bündel Stroh hat Krebber als Anregung genommen und in Keramik „übersetzt“. Seine „Tnösis“ sind aus dunklem Ton gebaut, der mittelhoch gebrannt und mehrfarbig glasiert wurde. Seit Jahrtausenden werden aufeinander liegende Tonwülste als Grundtechnik benutzt, um Gefäße aufzubauen. Wenn man die einzelnen Stränge nicht zu einer Wand glättet, bleiben diese als plastisches Relief sichtbar stehen. Nach oben hin schließt der Zylinder mit einem konvexen Deckel, der ebenfalls leicht aus der Balance gerutscht scheint. Dieses Spiel der Formen und des Gleichgewichts animiert die Skulptur ähnlich, wie die Glasur. Die Glasur, stark kontrastierend im Fluss erstarrt, unterstreicht das Lebendige der Skulptur. lm EKWC-Labor konnte Krebber vielfältige Glasurproben machen und entdeckte dabei für seine Arbeit klassische japanische Hochtemperaturtechniken: Bei einer Zugabe von 1% Eisenoxid wird es leicht gräulich-türkis, genannt Celadon, bei 10% kippt das ins Bräunlich-Silberne, genannt Tenmoku – die Oberflächen der Plastiken im Skulpturenmuseum leuchten und glänzen.

Der Titel „Keramocringe“ ist übersetzungsbedürftig: „cringe“ sagen die Kinder, wenn es komisch, leicht unangenehm und etwas peinlich, aber auch etwas lustig wird. Genauso wirkt die Ausstellung, und deswegen ist sie die perfekte künstlerische Gegenüberstellung zur Präsentation von Günter.Haeses, schwerelosen Raumplastiken aus Draht im inneren Glaskasten.