Ausstellungen

27. October 2019

die insel

Eine Austellung von Fari Shams und Arne Schmitt

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„Ein Übungsplatz der Demokratie“
„Bezirk stiller Besinnung und Muße vom industriellen Getriebe“
„Der feste Platz in der Bewegung, offen und von allen Seiten zugänglich, Bezüge setzend"

 
Eine ganze Reihe von Zeitgenossen versuchten sich an Beschreibungen jenes Hauses mit dem einfachen und doch rätselhaften Namen „die insel“ – errichtet als Heim des Bildungswerkes der Stadt Marl im Jahr 1955. Der elegante und offene Atriumbau war nicht nur Vorbote des kommenden modernen Stadtzentrums einer aufstrebenden Industriestadt im nördlichen Ruhrgebiet, der zunächst noch isoliert in einer kahlen Heidelandschaft stand. Er war auch der erste Neubau für die Erwachsenenbildung in der Bundesrepublik nach Kriegsende. Für seinen überregionalen Ruhm verantwortlich war jedoch vor allem der spezifische Geist der Arbeit, der dieses Gebäude prägte und in den industriellen Nachkriegsalltag hineinwirkte. Volkshochschule, Lesesaal und Stadtbibliothek wurden in der insel programmatisch in einem Gebäude vereint.


Ziel war es, den Bürgern von Marl einen Ort für Bildung und Gemeinschaftlichkeit, zur Informationsbeschaffung und Freizeitgestaltung zu bieten. Ein „kulturelles Stadtbewusstsein“ sollte hier entstehen, um es mit den Worten des langjährigen Direktors und Motors Dr. Bert Donnepp zu sagen. Die heterogene Bevölkerung – darunter viele Geflohene und Arbeitsuchende, die nach dem Krieg auf der Suche nach Arbeit in den Zechen und dem Chemiewerk der Stadt zu Tausenden gestrandet waren – sollte hier angeregt werden, ihrer Umwelt und den Medien im Alltag kritisch zu begegnen und sich so an der Gestaltung der Gesellschaft aktiv zu beteiligen: eine „Bildungsdemokratie am runden Tisch“, in der es keine hierarchische Belehrung geben sollte, sondern Hilfe zur Selbsthilfe.

Zentrum der Ausstellung ist der Film „die insel“, in dem Fari Shams und Arne Schmitt eigene Filmbilder aus dem heutigen Marl mit Archivmaterial aus Fernsehen, Rundfunk und den an der insel entstandenen Marler Jahresschauen montieren. Verbunden werden die Elemente durch Zitate aus der Presse, die aus der umfangreichen Chronik der insel stammen. Diese zeichnen Bezüge von Bildung, Politik und Wohlstand nach, die immer wieder in der insel zusammentrafen – stets den Problemen der Zeit folgend. Hier tauchen auch frühe Vorboten des Strukturwandels und der sozialen Medien auf, die von den beiden Künstlern in einer benutzbaren Rauminstallation zur Diskussion gestellt werden